°CLAIR und das PEN Zentrum deutschsprachiger Autoren
im Ausland freuen sich, Sie zu einer gemeinsamen Veranstaltung begrüßen zu dürfen:
Am Donnerstag, den 28. Januar 2010, findet um 19.00 in den Räumen von °CLAIR, Franz-Joseph-Str. 10 eine Lesung statt:
Peter Finkelgruen wird einen Auszug aus seinem neuesten Manuskript vortragen, der in der jüngst erschienenen Anthologie des PEN Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland "Nachgetragenes", herausgegeben von Gabrielle Alioth
und Hans-Christian Oeser, bereits vorveröffentlicht wurde.
Peter Finkelgruen wurde 1942 im Ghetto von Shanghai als das einzige Kind deutschstämmiger Emigranten geboren, seine frühe Lebensgeschichte wurde von Ursula Krechel in ihrem Roman "Shanghai - Fern von wo" verarbeitet. Peter Finkelgruen lebte mehrere Jahre in der Tschechoslowakei und Israel, ehe er sich in Deutschland niederließ.
Er hat mehrere autobiographische Bücher verfaßt, das bekannteste davon "Haus Deutschland - die Geschichte eines ungesühnten Mordes", welches Joshua Sobol zu dem Theaterstück "Schöner Toni" inspirierte. In der anschließenden Diskussion werden wir uns die Frage stellen, inwieweit Exil das Schaffen eines Künstlers zu beeinflussen und möglichgerweise zu bereichern vermag.
Bitte Teilnahme vorher per Mail oder telefonisch bestätigen.
Mehr zu Peter Finkelgruen:
Peter Finkelgruen wurde als Sohn deutschjüdischer Emigranten 1942 in
Shanghai geboren und verbrachte seine ersten Lebensjahre im Ghetto Hongkew,
wo sein Vater 1943 starb.
Zusammen mit seiner Mutter reiste Finkelgruen nach der Befreiung des Ghettos
über Moskau nach Prag, wo die Großmutter, welche Auschwitz überlebt hatte,
als letzte in Europa lebende Verwandte sich aufhielt. Peter Finkelgruens
Großvater war 1942 in der kleinen Festung Theresienstadt ermordet worden.
1951, nach dem Tod der Mutter, übersiedelten Peter Finkelgruen und seine
Großmutter für acht Jahre nach Israel, und zogen anschließend nach
Deutschland, wo Peter Finkelgruen politische Wissenschaft, Soziologie und
Geschichte in Freiburg, Köln und Bonn studierte. 1963 begann er als
Rundfunkredakteur bei der Deutschen Welle zu arbeiten und übernahm
1964 für zwei Jahre die Leitung des Bonner Büros des "Jewish Observer &
Middle East Review". 1966 kehrte er als Redakteur zur Deutschen Welle zurück.
1981 wurde Peter Finkelgruen als Korrespondent der Deutschen Welle nach
Israel entsandt und leitete außerdem von 1982 bis 1988 das Jerusalembüro der
Friedrich–Naumann–Stiftung. Nach seiner Rückkehr erfuhr er zufälligerweise
von den genaueren Umständen der Ermordung seines Großvaters, Martin
Finkelgrün, der von dem Aufseher Anton Malloth zu Tode geprügelt wurde.
Die zehn Jahre andauernden Bemühungen, Malloth wegen Mordes anklagen zu
lassen, die schließlich in einen der letzten Naziverbrecherprozesse in
München kulminierten, und die eigene verzwickte Familiengeschichte
verarbeitete Peter Finkelgruen in den Büchern "Haus Deutschland -
Die Geschichte eines ungesühnten Mordes" und "Erlkönigs Reich".
Peter Finkelgruens besonderes Talent besteht darin, seine inneren
Beweggründe und Gefühle, aber auch seine eigenen Ambivalenzen,
schonungslos offenzulegen und mit dem Leser zu teilen.