Der Kolumbianer Francisco Mejía-Guinand, *1964, ist Architekt und auch als Maler folgt er architektonischen Gestaltungsprinzipien. Die von Linien durchzogenen Bilder versuchen Ordnung in seine suggestive Farben zu bringen, die uns mal wie Ikonen entgegenschimmern oder auch glühend anspringen.
Farben vergegenständlichen die Welt menschlicher Sehnsüchte, Triebe und Ängste.
Farben haben die menschliche Evolution begleitet, in ihnen bergen sich als Chiffren die Kulturgeschichte eines jeden Volks und Kontinents.

Von Sir Winston Churchill, stammt ein Ausspruch, der die Bedeutung der Architektur plastisch offen legt:
"We give shape to our buildings, and they, in turn, shape us."

Architekten entwerfen und bauen Gebäude, die uns umgeben und zu einem wesentlichen Teil unserer Umwelt werden. Die gebaute Welt formt unser Bewusstsein und noch viel mehr, sie beeinflusst die Psyche und korrespondiert mit archetypischen, tief verankerten Wünschen. Die Traumdeutung behauptet, das Haus repräsentiere das eigene Ich, sei wie eine zweite Haut für das Individuum. Zu den elementaren menschlichen Grundbedürfnissen, wie Luft, Essen und Trinken, gehört der Schutz vor Kälte und Hitze. Dieses Bedürfnis ist tief in uns verwurzelt. Der Psychologe C.G. Jung spricht von dem ‚kollektiven Unbewussten’, das er als eine Art Aufbewahrungsstätte des psychischen Erbes der Menschheitsgeschichte ansieht. Hier lagern seiner Meinung nach archetypischen Bilder und Symbole, die sich manchmal in Träumen manifestieren.
Der Architekt hat eine machtvolle Aufgabe, als einer der ersten Künstler der Menschheit. Er gestaltet Archetypen, die in Beziehung zur Psyche jedes einzelnen Menschen treten.
Archetyp und Architekt verfügen über den gleichen Wortstamm. Da ‚Arché’ im Griechischen den Anfang, den Ursprung bezeichnet, ist es wohl auch angebracht, zu behaupten, dass der Berufszweig des Baumeisters, ohne eine psychologische Ausbildung oder Schulung durchlaufen zu haben, sich mit Ursprungsfantasien und tiefen Sehnsüchten von Menschen beschäftigt. Ist seine Arbeit gelungen, verleiht er ihnen positiv Gestalt.
Betrachtet man die Bilder von Francisco Mejía-Guinand spürt man, dass er die Tätigkeit des Architekten in seine Bildende Kunst transformiert hat. Es ist die Ordnung der Linien, die dem Archaischen der Farben, ihrer Vitalität und Bedrohung, die sie auch ausstrahlen können, einen Rahmen geben. Dabei etabliert er kein statisches Ordnungsprinzip, es ist eher ein fließendes Konstrukt, wie bei einem Tanz, der verschiedene Figuren lustvoll inszeniert.
Er malt Linien und Flächen, die sich in den Bildebenen staffeln, in- und miteinander zu fließen scheinen. Es ist die Arbeit eines Künstlers, der auf seinen Bildern die Welt vermisst und sie in ein Verhältnis zu den Facetten der menschlichen Psyche, verkörpert in den Farbflächen, setzt.

Mit Vergleichen aus der Kunstgeschichte gesprochen, verschmilzt in seinen Gemälden die Geometrie eines Ilya Bolotwski mit den malerischen Unschärfen Marc Rothkos.
Die intuitive Harmonie in den ‚weichen’ Flächen seiner Gemälde, im Zusammenspiel mit der konstruierten Ästhetik der ‚kommunizierenden’ Linien. All dies schafft eine tief musikalische, von auf- und absteigenden Rhythmen geprägte Bildsprache.

Mejía-Guinand öffnet uns den Blick für die Anmut des Schlichten und Minimalen, indem er seine Flächen und Linien geschickt arrangiert, Kompositionen schafft und die Charakteristik seiner abstrakten Formen unterstreicht und sie in einen Dialog miteinander führt. Doch trotz der oft klaren Geometrie, lässt das Gewirr der manchmal kontrastreichen Linien auf den vagen Flächen keine wirkliche optische Ordnung des Bildinhaltes zu, vielmehr verliert sich das Auge des Betrachters in einem komponierten Irrgarten der Formen, welche aber den Werken Mejía-Guinands eine einzigartige Tiefe und Spannung geben.

Seine Lieblingsfarbe rot, ist die der Liebe, aber ebenso in manchen Kulturen die des Todes. Rot ist die erste Farbe, die ein Kleinkind sieht und angeblich die letzte, die uns im Tod begleitet.