With his performances, photographs and installations, Rabi Georges explores inter-cultural and interreligious themes whose spectrum ranges from very specific references to Christianity and Islam to more enigmatic mystical and poetic motifs. His 2009 photograph Madonna mit Kind (‘Virgin and Child’) overlays several of these themes in one motif. The figure is at once the Mother of God and a veiled Muslim woman. Only her breast, shaped of red flesh and fat, is exposed. And what no one sees: beneath the veil is the artist himself. In the Theatine church in Munich, this picture was also displayed in the context of an altar, which can be interpreted to signify that the critical examination of religion and enculturation takes place not in strict opposition to these latter, but in a constructively oriented dialogue.

In his more recent sculptural works, the artist couches such symbolic and cultural references in more general terms, but continues to show potential associations with religious iconography in the shape, for example, of the lamb and the dove. In his appropriately titled Life and Death series of sculptures, he translates the spiritual into the fundamental connection between life and death. Animals – and primarily birds, as creatures that, from a human perspective, already inhabit a world between earth and heaven – are penetrated by a variety of minerals. Red alum protrudes like a bleeding heart from the side of a dove; pyrite crystals grow out of the body of Siam-ese-twin lambs; a macaw and two ravens are pierced by rock quartz. In medieval alchemy, minerals were linked with the vital processes of the body; as growing substances obeying the laws of chemistry and physics, on the other hand, they represent a kind of inorganic life. Rabi Georges transforms the animals in his sculptures in such a way that they are shifted into a zone of transition between life and death. The crystals symbolize their energetic aura, an inner radiance.

(C)Thomas W. Kuhn
Text aus: RISING – Young artists to keep an eye on, DAAB Verlag, Köln 2011




Rabi Georges bewegt sich mit seinen Arbeiten entlang aktueller Grenzlinien der Gesellschaft: zwischen Orient und Okzident, zwischen Islam und Christentum, mehr aber noch zwischen Glauben und Individuum, zwischen Intimität und gesellschaftlicher Norm. Im Fokus seiner Arbeiten stehen dabei die Mythen und Rituale, die Zeichen der Religionen und die Ikonografie der Geschlecherrollen, er zeigt Gewalt und Macht der Symbole, beklagt aber gleichzeitig den Verlust des Mystischen in einer postreligiösen Gesellschaft.
Georges’ Arbeiten beziehen klare Positionen, ohne vordergründig zu sein, sei es bezüglich der Rolle der Frau und der Verschleierung im Islam, sei es hinsichtlich der Funktion von Sexualität im Wiederauferstehungsmythos der christlichen Religion. Er klagt an, er verdeutlicht, und immer geht es bei den Arbeiten um die Beziehung des Individuums zur Religion, um die Frage nach Freiheit und Individualität einerseits und Orientierung und Geborgenheit andererseits. Dabei bedient er sich der Zeichensprache, dem kulturellem Vokabular dieser Weltbilder, rekurriert auf den Wertekanon muslimischer wie christlicher Traditionen.
Zu kurz würde es greifen, in den Arbeiten den künstlerischen Ausdruck eines clash of civilizations sehen zu wollen, eines christlichen Blicks auf den Islam oder einer abendländisch geprägten Perspektive auf die eigenen arabischen Wurzeln. Vielmehr steht die Frage nach dem Glauben oder zumindest nach Spiritualität, der Bedeutung und Kraft von Zeichen, Mythen und Ritualen unmittelbar im Bezug zur mitunter destruktiven Kraft tradierter Institutionen. In der Performance „All my women and one black butterfly“ versinken arabische Frauennamen und der Künstler in schwarzer Farbe, werden unsichtbar, die Identität verschwindet. In der Installation „alhamdulillah“ stoßen Küchenmesser aus der Wand auf den Betrachter und formen den Schriftzug Allah - ein Werk, welches die Annäherung an Gott gleichsam gefährlich erscheinen lässt.
Ausdruck seiner Arbeiten sind formal gesehen Performance, Installation, Fotografie. Genauer kann man aber seine Werke als Arbeit mit dem eigenen Körper verorten. Der Künstler schont dabei weder sich selbst noch den Betrachter. Die Verstörung ist dabei gewollt, aber kein Zweck an sich – sie entsteht zwingend aus der Konzeption des jeweiligen Kunstwerkes. Dadurch vermeidet Georges kurzfristigen, effekthascherischen Schock: die Verstörung entwickelt sich langsam und wirkt umso stärker über die unmittelbare Begegnung mit dem jeweiligen Werk fort.
Sie wirkt fast stärker noch, als die scheinbar vertraute Ästhetik religiöser Formsprache, dort, wo etwa die Marienverehrung Gegenstand sowohl islamischer wie christlicher Mythologie ist oder die islamische Verschleierung medienwirksames Symbol einer Debatte über universelle Werte jenseits der Religion ist.

Durch seine Positionen überwindet Georges angenommene Grenzlinien, zieht neue Bezüge und gibt dem Spannungsfeld zwischen Identität und Religion, Sexualität und gesellschaftlicher Norm eine neue, eigene Ordnung.
Frau Prof. Monika Grütters, MdB
Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages

Biografie
Geboren 27. August 1981
Nationalität Deutscher/Syrer
Kontaktdaten Jagowstr. 35, 10555 Berlin, rabi@rabigeorges.com
Abschluss Meisterschüler von Rebecca Horn, Bildende Kunst, Universität der Künste, Berlin
Diplom-Kostümbildner, Universität der Künste, Berlin
Sprachen Deutsch (Muttersprache)
Englisch (fließend in Wort und Schrift)
Arabisch (mündlich fließend, Schrift wird zurzeit erlernt)
Aramäisch (Grundkenntnisse)
Latinum
2010 Lehrauftrag, Verschleierung der Frau im Islam
         Studiengang Kostümbild, Universität der Künste Berlin

2009 Meisterschülerpreis des Präsidenten der Universität der Künste Berlin
2003-2009 Universität der Künste, Studium der Bildenden Künste, Meisterschüler von Rebecca Horn
2002-2009 Universität der Künste, Studiengang Kostümbild, Diplom mit Auszeichnung
2001-2002 Zivildienst 2001 Abitur Leibnitz-Gymnasium, Gelsenkirchen-Buer
1991-2000 Leibniz-Gymnasium, Gelsenkirchen-Buer

Einzelausstellungen
2011  Kalter Garten
Goethe-Institut Damaskus, Syrien

2011  Heisser Garten
Aleppo, Syrien mit Unterstützung des  Goethe-Instituts

2009
Auge um Auge, Haus am Lützowplatz, Berlin

Gruppenausstellungen
2010 
M5/Differential Performance Festival, ST.Paulus Dominikanerkirche, Berlin
Divine Connection, Zeughaus-Toskanische Säulenhalle, Augsburg
Gute Karten, Karl Hofer Gesellschaft, Haus am Kleistpark, Berlin
Ich weiss was du nicht siehst
Kunstraum Kreuzberg Bethanien
Hinter dem Schleier mit Maria Zervou, St. Lukas Kirche, München
Scratch Performance, Regie Oreet Ashery
Haus der Kulturen der Welt, Berlin
Urbi Et Orbi Paco das Artes, São Paolo
Bereich K, Studio Rother, Berlin
Transformation, Berlin 

2009 
weiss  Stiftung Starke, Berlin
Meisterschülerausstellung der Universität der Künste Berlin
believe unlimited Platform3, München
Berlin: Transitions and Transformations
Mostravídeo Itaú Cultural,
Vitoria and Belo Horizonte, Brasilien
Infernoesque Heidestr. Galleries, Berlin
believe unlimited  Theatinerkirche, München
Testament Artothek, München
Preisausstellung Preis des Präsidenten der Universität der Künste Berlin

2008
Fuck for forest and other utopias, Glasgow, England
BHC Collektive Shows 2+3, ehemaliges Centrum Hungaricum Berlin
manchmal schlafe ich tief, Miss Micks, Berlin
Installation and Performances, Schloss Liebenberg, Berlin

2007
Absolventenausstellung, Universität der Künste Berlin
Wir bitten dich, verführe uns!, Carola Schmidt, Haus am Lützowplatz, Berlin

2006
Chateau Ivre, Schloss Sacrow Potsdam, kuratiert von Rebecca Horn

2005
Mondnächte, Universität der Künste, Berlin
Tiger im Löwenpalais, Stiftung Starke, Berlin
100 Jahre Sophiensaele, Sophiensaele, Berlin

2004
Haus im Körper, Haus am Lützowplatz, Berlin
Fliehende Bücher Alte Bibliothek, Universität der Künste, Berlin
Mitternachttage, Stiftung Starke, Berlin

Publikationen
2011
Rising — Young artists to keep an eye on, DAAB Verlag, Köln 2011
Interview WDR Radio Funkhaus Europa „der persönliche Gast“
Interview zur Ausstellung im Goethe-Institut Damaskus und Aleppo  für das Saudi-Arabische Staatsfernsehen
Interview in zwei syrischen öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten, des weiteren im syrischen Privatsender Al-Dunja, In den beiden schwedischen Fernsehsendern Syroyo-Sat und in SyryoyoTV
Im syrischen Radiosender  Ninar
zu den beiden Ausstellungen in Damaskus und Aleppo gab es mehrere Zeitungsartikel und Fernsehberichte, drei der Fernsehberichte und Interviews gingen je über 60 min.

2010
Katalog Meisterschülerpreis des Präsidenten der Universität der Künste Berlin
Verschleierung des Mannes im Islam, Portrait im Männermagazin
Platform3 Räume für Zeitgenössische Kunst

2009
Schlimmer noch als Ribery, Artikel zur Ausstellung in der Süddeutschen Zeitung

2008
Künstler Treffen in Berlin, Riccardo von Brasch Prestel Verlag
Katalog für Klasse Rebecca Horn auf Schloss Liebenberg

2007
Château Ivre, Schloss Sacrow, Matthes & Seitz