*1959 in Magdeburg, lebt in Berlin

Gundula Friese studierte Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und Sound- und Videodesign an der Akademie für digitale Medien in Berlin. Ihr Arbeiten waren bereits in zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen und sind mit verschiedenen Auszeichnungen gewürdigt worden. Sie lebt und arbeitet in Berlin und New York.

Zur Fotografie zog es Gundula Friese bereits als Kind, ihr Schlüsselerlebnis bescherte ihr das Porträt eines fremden Jungen:

„Er war etwa elf Jahre, so alt wie ich damals, und stand mitten in einer öden Stadtlandschaft, schaute gelassen und entrückt in die Kamera. Dieses Bild verwirrte und beruhigte mich gleichermaßen. Es war ein Zustand der inneren Aufgeregtheit. Ich fühlte mich erkannt und gesehen. Aber war nicht ich diejenige, die schaute, einen Jungen auf einem Bild anschaute? Dieses Foto erinnerte mich daran, daß ich fotografieren wollte.“

Von 1999 bis 2001 arbeitete Gundula Friese als Tatortfotografin für das Landeskriminalamt Berlin. Zwei Jahre lang dokumentierte sie Obduktionen, Verletzungen, Täter und Opfer. Sie lernte, dass Bilder nicht nur von der Kamera, sondern auch von dem, der den Auslöser bedient, aufgenommen werden – eine Erkenntnis, die ihre Weltsicht prägt. Ihre kraftvollen Bilder und Videoarbeiten sind essenziell persönlich, wer in ihnen nach Wahrheiten sucht, muss es der Künstlerin gleich tun und mutig durch sie auf sich selbst zurückblicken.

Frieses Porträts von Menschen und Orten, die die Form von Einzel-Fotografien, aber auch Serien, Sequenzen und Videos annehmen, sind geprägt von behutsamer Annäherung und beharrlichem Beobachten. Zusammenhänge werden sichtbar, in denen nicht nur sie, sondern auch der Betrachter sich verorten kann. Etwa in Selbstbild (2000) aus dem Zyklus Selbstbilder. In einem Lichtkasten zeigt sie sich selbst zwischen ihrer Großmutter, ihrer Mutter und ihrer Tochter: Vergangenheit wird plötzlich auch zur Zukunft und Zukunft zeitgleich zur Vergangenheit.

Ihre Arbeit ist ein Suchen, in der Zeit und in der Welt. Tiefblau (2003-2007), ein Zyklus aus analog aufgenommenen Fotografien und aus Videoarbeiten über das Meer, führte Friese entlang der Küste der iberischen Halbinsel durch die Pyrenäen, von der spanischen zur portugiesischen Küste nach Lissabon und im Verlauf von drei Jahren an immer weitere Grenzen: zwischen Ländern aber auch zwischen Innen und Außen, zwischen den Elementen, zwischen den Welten. Friese konstruierte aus Einzelaufnahmen fiktive Panoramen, die es in der Realität so nie gab und die sie ihr doch abgerungen hatte.

Die Kamera ist für Friese immer auch ein Forschungsinstrument: Indem sie mit ihr die Außenwelt abtastet, findet sie Entsprechungen ihrer inneren Bilder und fügt diese mosaikartig zusammen. Dies kommt auch in ihrer aktuellen Arbeit zum Tragen. Friese arbeitet an einem Langzeitprojekt, das sie vorläufig Marie(s) – die Unbeirrbaren getauft hat. Das Projekt versteht sich als eine zeitgenössische und multimediale Ikonographie. Es porträtiert 50 Frauen weltweit, die aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Sphären kommen und in der Mitte ihres Lebens stehen. Wie lässt sich Innerlichkeit, Weisheit und Zeit abbilden? In Tagebuchform und mit Hilfe ihrer Kamera wird Friese dieser Frage auf den Grund gehen.
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Auszeichnungen
1998
European Award For Female Photography 1997/98, Dryphoto, Prato, Italy
PhotoEspana 1998, Agfa Award Best Portfolio, Madrid, Spain

1995
Art Award, Brandenburg, Germany

1990
Culture Award for Schillerpromenade, Berlin, Germany

Ausstellungen (Auswahl)
2012
'View York - Nine Perceptions', Karl Schurz Haus, Freiburg

2011
'View York - Nine Perceptions', DAI Tübingen
'View York - Nine Perceptions', Galerie °Clair, Munich

2010
Photographies, °CLAIR Gallery, Munich, Germany

2009
East-for the record, New Photography Collection of VNG, Leipzig, Germany
Pavilhao 28, Espaco Expositivo do Centro Hospitalar Psiquiátri, Lisbon, Portugal

2008
Lichtung, Photography Collection of the Museum Neukölln, Berlin, Germany
My grandmother. The steppe. My love. The ocean, photography/video, GAD Gallery, Lisbon, Portugal
The Combinatione Arrabbiatica, with Axel Heil and Uwe Lindau, GAD Gallery, Lisbon, Portugal

2007
Arte Lisboa, Photography/Video, Lisbon, Portugal
Average Joe, Documentary with Simone Wiest, New York, USA
Photographies, Gallery Jordanow, Munich, Germany

2006
Me and the ocean, Photography/Video at Yoyo Friedrich, New York, USA

2005
Die Stadt. Das Meer, Photography/Video, Munich, Germany

2004
Don’t tell mama, Photography/Video documentary with Simone Wiest, New York, USA

2003
Start with the series tief blau, 3 video works, travels in Europe and America

2002
Milchprodukte, Orangerie, Lyon, France

2001
Das Geheimnis, Gallery Pasteur, Berlin, Germany
Photographies, Galerie auf Zeit, Berlin, Germany

1996/97
Goldrausch, female artist project, Berlin, Germany

1995
Das Waschhaus with Prof. Timm Rautert
Images are identity creating realities, with sound recordings of Bertien van Manen, Gundula Schulze and Nan Goldin, first travels to New York and Amsterdam
Erfindung einer Ortszeit, Waschhaus, Potsdam


Veröffentlichungen
2011
'View York - Nine Perceptions', Kerber Verlag, Bielefeld

2000
Der letzte Limes, Verlag der Buchhandlung Walther König, with Chistoph Holzapfel and Durs Grünbein
Das Team, Verlag der Buchhandlung Walther König, with Christoph Holzapfel

1997
Waschhaus, Goldrausch Künstlerinnenprojekt, Berlin, Germany

1995/96 „
Gesten, Verlag der Buchhandlung Walther König, Cologne, Germany